ERP Software halbherzig installiert, auf dem Bild ein Mann der eine Zeitung in seinem Schoß hält

Ein Kommentar zu einem Blog-Artikel von Michael Schober

Sehr geehrter Herr Schober,

Danke für diese schöne Geschichte, die den Nagel sprichwörtlich auf den Kopf trifft. Ich hatte das Gefühl, dass sie einen meiner Arbeitstage bei HELIUM V beschreiben. Ich kann ihnen nur beipflichten. Es gibt so viele tolle Betriebe, die sich das Leben trotz bester Voraussetzungen jeden Tag aufs Neue schwer machen. Sie investieren in umfassende Programme, die weit mehr als zwingend notwendig können, und lassen sich im Anschluss von diesen beherrschen. Dabei sollte es doch der Mensch sein, der die Maschine ins Schwitzen bringt und nicht die Maschine den Anwender.

In meinem Beruf erlebe ich es nahezu täglich, dass mir Unternehmer schildern, mit welchen großen Anstrengungen sie ein System im Unternehmen eingeführt, etabliert aber nicht bis zur vollen Ausbaustufe integriert haben. Immer noch werden zahlreiche Listen, Auswertungen, Artikelstämme oder Lagerbestände händisch gezählt oder in losgelösten Programmen, im schlimmsten Fall sogar nur via Excel, bestandgeführt. Bei der jährlichen Inventur herrscht schlussendlich das große Chaos und alle, einschließlich dem Chef, fluchen auf das ERP System. Eine Lösung muss her! Dass aber eine neue ERP Software die Probleme nicht löst, sondern meist verschlimmert, wird den Meisten erst viel später bewusst.

An Ihrem Beispiel zeigen sie auf, dass es für Unternehmer immer wichtiger wird, das Wissen nicht zu zentralisieren, sondern auf einige Schlüsselpersonen, sogenannte Key-User aufzuteilen. Diese können sich im Austausch mit den verschiedenen Abteilungen ganz auf die Anforderungen der Kunden und Mitarbeiter konzentrieren und setzen den Bedarf im System für alle um. Eine abschließende, lückenlose Dokumentation schafft Transparenz und gibt neuen Mitarbeitern die Möglichkeit, sich in die Materie einzulesen. Zusätzlich helfen Intensivschulungen, das Wissen über eine Software zu erweitern, und man schafft neue Anreize, das System ständig weiterzuentwickeln. Dass das mit Kosten verbunden ist, muss an dieser Stelle nicht dezidiert festgehalten werden. Aber es sind Kosten, die sich nicht nur kurz- sondern vor allem langfristig bezahlt machen. Denn wenn jetzt Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, geht das Wissen wenn überhaupt nur mehr in geringen Teilen verloren.

Mit all den technischen Hilfsmitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, bleibt eine große Unbekannte: der Anwender, der natürlich auch zu Fehlern neigt, die meist zu einem viel späteren Zeitpunkt zum Vorschein kommen. Aus meiner Sicht, und ich glaube sie stimmen mir zu, sind jährliche Schulungen abteilungsübergreifend unerlässlich. Unternehmen, die dabei den kommunikativen Austausch über die einzelnen Abteilungen hinweg fördern, haben aus meiner Sicht erkannt, dass im täglichen Umgang mit dem System Verbesserungspotentiale viel früher erkannt werden können und dadurch ein deutlicher Wettbewebsvorteil entsteht, welcher die Kosten durch die Schulung- und Optimerungsmaßnahmen wiederum deckt. Eine Chance für eine Win-Win-Situation für Unternehmer – Mitarbeiter – Kunden und nicht zuletzt für die eigene Software.

Danke lieber Michael Schober, für diese inspirierenden Zeilen.

Hier noch der direkt Link zum Artikel http://www.dererptuner.net/business-software/der-michl-und-die-kapazitaetsplanung/

Der Michl und die Kapazitätsplanung