Für jedes Unternehmen geht es darum, besser zu sein als der Wettbewerb. Dabei spielt die Nutzung zuverlässiger ERP-Software eine der Schlüsselrollen. Also funktionale Technologien, die helfen, den Geschäftsanforderungen noch besser Rechnung zu tragen. Bis eine Softwarelösung erfolgreich beim Kunden eingesetzt werden kann, ist im Hintergrund eine Crew an Software-Entwicklern im Einsatz.

Wir werfen heute einen Blick hinter die Kulissen und fragen bei Gerold Pummer, der seit 9 Jahren bei HELIUM V ERP Softwareentwicklung an die Spitze treibt, nach.

Gerold, was ist eigentlich der „Schlüssel“ in der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung der HELIUM V ERP-Software?

Gerold: „Wir bei HELIUM V sind einerseits sehr durch die Anforderungen unserer Kunden getrieben. Wir versuchen uns in die Lage des Kunden zu versetzen, seine Sicht der Dinge zu verstehen, seine Anforderungen an den Prozess nachzuvollziehen und auch zu verstehen. Das ist sicher der Schlüssel. Es geht ja darum, die Abläufe rund um die Ressourcen wie Kapital, Personal, Betriebsmittel, Werkstoffe, Maschinen, Bestellungen usw. abzubilden. Wenn wir dann denken, begriffen zu haben, um was es dem Kunden wirklich geht, steht auch meist fest, ob das eine einzigartige Situation ist oder ob das nicht doch auch von anderen Kunden benötigt wird. Das heißt, wir müssen jede Entwicklung in unserer Software immer auch aus der Vogelperspektive betrachten. Schließlich sind wir ERP Hersteller und nicht Individual-Software-Produzent. Wenngleich letzteres ab und an auch vorkommen kann, weil wir immer auch die speziellen „Bedürfnisse“ unserer Kunden im Blick haben. Wichtig dabei ist, dass wir uns jede Umsetzungsmöglichkeit mit der „Brille von morgen“ ansehen. Andererseits gibt es unseren großen Masterplan, der kontinuierliche Verbesserungen sowie strategische Weiterentwicklungen unserer Software beinhaltet.“

Welche Aufgaben hast du als Software-Architekt und -Entwickler bei HELIUM V?

Gerold: „HELIUM V wird nun seit gut 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Selbst bei sauberster Entwicklung kommt es im Laufe der Zeit schon mal vor, dass eine in der Vergangenheit getroffene Entscheidung mit den aktuellen Anforderungen kollidiert. Ich setze mir dabei sprichwörtlich jeweils den Hut des „Architekten“ und des „Entwicklers“ auf.

Als Architekt geht es um das Gesamtkonzept, Fundamente und Stockwerke zu schaffen, die es ermöglichen, auch in der Zukunft noch „dranzubauen“, hier ein Fenster zum Garten, dort in eine Mauer einen Durchbruch für eine Tür zu schaffen. Das gelingt nur, wenn man sich kontinuierlich weiterbildet, Bücher liest, neue Programmiersprachen lernt, Ideen ausprobiert und den Überblick behält. Das betrifft nicht nur das Produkt selbst, sondern auch sämtliche dafür notwendigen Werkzeuge: Sei es die Programmiersprachen, die sich kontinuierlich – und in den letzten Jahren tatsächlich rasant – weiterentwickelt haben oder das Versionskontrollsystem, der Applikationsserver selbst, neue Techniken in der Software-Entwicklung sowie neue Konzepte der Herangehensweise an die Software-Entwicklung. Lernen und Abwägen, wie ihr Einsatz Sinn macht, sind meine ständigen Begleiter.

Als Entwickler versuche ich die gestellte Aufgabe so sauber wie möglich umzusetzen. Ich schreibe vorab Tests, die nachweisen, dass die neue Funktion auch tatsächlich funktioniert. Ich versuche Source-Code sauberer zu hinterlassen als ich ihn vorgefunden habe. Optimierungen werden dann gemacht, wenn trotz richtiger Wahl der Algorithmen tatsächlich etwas zu langsam ist.“

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus?

Gerold: „Man könnte meinen, dass mein Arbeitsalltag immer gleich aussieht. Ja, ich komme jeden Morgen ins Büro und ich gehe auch am Abend heim. Ja, ich produziere täglich Software und trotzdem ist kein Tag wie der andere. Eine ERP-Software ist umfangreich, auch HELIUM V ist keine Software, die man in einem Monat verstanden hat. Selbst jetzt im neunten Jahr komme ich “noch an Stellen vorbei, die ich noch nie zuvor gesehen habe“. Das heißt, die gestellten Aufgaben sind abwechslungsreich, es gibt immer was Neues.“

Auf eurer Homepage ist zu lesen, dass „Agilität“ eine wichtige Rolle spielt. Wie sieht die „gelebte Agilität“ bei HELIUM V aus?

Gerold: „Das ist in der Tat ein „heikles“ Thema. Gerade in der Software-Entwicklung wird Agilität gerne als Marketing-Mittel betrachtet, gelebt wird es häufig nicht. Wir arbeiten zwar nicht mit SCRUM oder Kanban, wir haben auch keine „Sprints“, aber wir haben “Product Owner“. Wir sind immer in der Lage, wöchentlich eine neue, freigegebene HELIUM V Version zu liefern. Wir haben ein „Backlog“ und reflektieren wöchentlich in der „Roadmap“ über die vorige Woche, um unsere internen Prozesse und Herangehensweisen zu schärfen. Wir versuchen auch kontinuierlich, unsere „Use Cases“ so zu definieren, dass vorab klar ist, wann der Use Case erfolgreich umgesetzt wurde.

Und: Wir binden unsere Kunden aktiv bei den „Requirements“ und Tests mit ein. „Echte Agilität“ bedeutet eben, dass der Kunde Teil des Prozesses ist und im wahrsten Sinn des Wortes „mitarbeitet“. Das noch häufig gelebte Motto „Hier ist meine Anforderung, setzt das um, und wenn ihr fertig seid, schickt mir die funktionierende Version“ hat aus unserer Sicht nichts mit „echter Agilität“ in der Software-Entwicklung zu tun.“

Was ist das Schönste in deinem Job?

Gerold: „Das Schönste ist, dass ich viele schöne Momente erleben darf 🙂 Ich darf/kann mit Kunden sprechen, sei es am Telefon, im Meeting oder auch per E-Mail. Ja, manchmal ist das nicht so schön, wenn z.B. etwas schiefgegangen ist. Ich darf aktiv an der Lösung mitarbeiten, bekomme das nicht vorgekaut. Es gibt immer wieder neue „Themen“, die es zu lösen gilt und das nicht nur im reinen Software-Umfeld. Ich darf Ideen haben, die nicht als „Jo eh!“ abgetan werden. Ich darf aktiv daran mitarbeiten, dass eine Idee zur erfolgreichen Lösung für den Anwender wird. Und ab und an gibt es dafür auch Anerkennung.“

Danke für das Interview.